Bettina Leidl

Wien, Österreich

»Fotografie ist aktueller denn je, sie ist Teil unseres Lebens geworden und ein Ausdrucksmittel für uns alle.«

Bettina, du bist seit 2014 Direktorin vom Kunst Haus Wien, das auch das Haus der Fotografie in Wien beherbergt. Mit dem diesjährigen Debüt von FOTO WIEN bist du nun auch die Leiterin des Festivals. Was ist deine persönliche Verbindung zur Fotografie?
Neben der Tatsache, dass ich mich bereits Anfang der neunziger Jahre in meinem Berufsleben mit Fotografie beschäftigt habe, interessiert mich Fotografie als Kunstform und Medium ganz besonders. Ich halte es für wichtig, dass ein so vielfältiges Medium über sein gesamtes Spektrum diskutiert wird: Es gibt Fotografen, die sich klar als Künstler verstehen und ihren Platz im Kontext der zeitgenössischen Kunst behaupten. Und dann gibt es jene Fotografen, die in ihrer Arbeit die Tradition und Theorie der Fotografie thematisieren, aber überraschenderweise keine Lobby in den Museen haben. Das Internet und die sozialen Medien ermöglichen einen neuen Zugang und eine veränderte Wahrnehmung der Fotografie, weshalb das aktuelle Interesse an ihr und die Auseinandersetzung mit ihr sehr groß sind.

Wie du sagst, entwickelt sich eine neue Wahrnehmung der Fotografie, die zu einem großen Teil darauf zurückzuführen ist, dass wir heutzutage mit jedem Smartphone, das uns zur Verfügung steht, an der Bildproduktion teilnehmen können. Wie würdest du Stimmen antworten, die Fotografie als Kunstform hinterfragen?
Aus meiner Sicht ist Fotografie aktueller denn je, sie ist Teil unseres Lebens geworden und ein Ausdrucksmittel für uns alle. Deshalb halte ich es für äußerst wichtig, ein Forum zu schaffen, in dem wir uns kritisch mit dem Thema und all seinen Aspekten auseinandersetzen können und darüber diskutieren, was die Fotografie über die Standardroutine hinaus leisten kann – wie zum Beispiel den immer flüssigeren Übergang zu bewegten Bildern. Das Interesse an Fotografie ist extrem hoch, im Gespräch mit Kollegen anderer Institutionen haben wir alle überdurchschnittliche Besucherzahlen bei fotografischen Präsentationen festgestellt. 

In diesem Jahr debütiert FOTO WIEN, das neue Wiener Fotofestival, als Nachfolger von Eyes On, für das sich das Kunst Haus Wien als Veranstalter und Gastgeber engagiert. Warum wird eine neue Ausgabe des Festivals benötigt?
Das mit der Stadt Wien vereinbarte Ziel ist es, das Profil der fotografischen Praxis, die hier in Wien stattfindet, zu schärfen. Festivals bieten Möglichkeiten, die für Institutionen nur bedingt realisierbar sind, wie die große Vielfalt der Fotografie, das hohe Ausbildungsniveau, Positionen, die in anderen Kontexten vielleicht nicht gezeigt werden können, und Vernetzungsaktivitäten von Institutionen und anderen Partnern aus dem Kunstsektor. Erstmals während des Wiener Monats der Fotografie gibt es in der Österreichischen Postsparkasse ein Festivalzentrum. Neben zahlreichen Ausstellungen wie BodyfictionZone UrbainesMonsanto/Bayer und anderen wird ein umfangreiches Diskursprogramm den aktuellen Stand der Fotografie erörtern.

Du hast dich bewusst entschieden, keine kuratorische Idee und kein Motto für die FOTO WIEN zu setzen. Treten nach der Schließung des „Call for Projects“ und mit dem Fortschritt der Vorbereitungen des Festivals nun doch bestimmte Ideen oder Konzepte hervor?
Ganz genau. Es gibt für das erste Jahr noch kein inhaltliches Thema. Ich wollte vielmehr Raum für die Ideen und Konzepte der Programmpartner lassen. Von über 250 eingereichten Projektvorschlägen wurden 130 Programmpartner ausgewählt. Wir sehen gewisse Trends bei den Themen der Partner, wie etwa Urbanität oder die Rolle des Künstlers als sozialer Beobachter. Es ist die ganze Bandbreite des Lebens in der Stadt vertreten, also auch das Thema Film und Fotografie. Und erstaunlicherweise wird das Thema analoge und digitale Fotografie noch immer kontrovers diskutiert.

Würdest du uns ein paar Highlights nennen, auf die du dich selbst besonders freust?
Es ist natürlich immer schwierig als Festivalleiterin seine Favoriten zu nennen. (lacht) Konkrete Favoriten werden der Vielseitigkeit unseres umfangreichen Programms nicht gerecht, es werden so viele phänomenale Künstler ihre Werke zeigen. FOTO WIEN ist eine Plattform für Neues in der Fotografie. Es gibt aufstrebende Künstlerinnen und Künstler zu entdecken, aber auch wunderbare Fotobücher, Podiumsdiskussionen rund um das Medium Fotografie, Workshops und Fotoausstellungen in ganz Wien. Ich empfehle: Schnappen Sie sich einfach den Programmfolder oder gehen Sie auf unsere Homepage und begeben Sie sich auf eine fotografische Entdeckungsreise durch die Galerien, Museen, Ateliers und Projekträume der Stadt!

Was würdest du dir, in die Zukunft blickend, für FOTO WIEN wünschen?
FOTO WIEN ist bereits jetzt ein wichtiges kulturelles Ereignis, die ganze Stadt engagiert sich, die Fotografie bestimmt für einen Monat die Stadt. Das Fotofestival bietet eine großartige Chance, einen neuen Fokus auf die Fotografie zu werfen. Es hat das Ziel, die internationale Vernetzung der lokalen Fotoszene voranzutreiben. Wir wollen ein verstärkt kuratiertes Festival sein. Dafür sind aber auch Programmbudgets notwendig, die es erlauben, Künstlerinnen und Künstler einzuladen, neue Fotoarbeiten und Ausstellungen für das Festival zu entwickeln Denn am Ende ist die FOTO WIEN ein Festival, das die neuesten Trends in der Fotografie vorstellt.

Interview: Florian Langhammer
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung der FOTO WIEN

Links:
FOTO WIEN

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