In the Studio

Claudia Rohrauer

Wien, Österreich

»Was mich an der Fotografie an sich fasziniert, ist eben ihre Vielseitigkeit.«

Claudia, für jemanden, der oder die sich noch nicht mit deiner Kunst befasst hat, kannst du uns erklären, welches künstlerische Interesse deiner Art zu Arbeiten zugrunde liegt?
Meine Arbeitspraxis lässt sich am besten als medienreflexiver Zugang zur Fotografie beschreiben, der konzeptuelle und experimentelle Herangehensweisen vermischt. Die Fotografie interessiert mich dabei sowohl als Kulturtechnik, als auch als Werkzeug der visuellen Wissensproduktion – die damit verknüpfte Funktionen des Sichtbarmachens, des Aufzeichnens und des Zeigens versuche ich in meinen Arbeiten aus der Praxis heraus nachzuspüren und an die Oberfläche zu holen. Die Arbeiten, die seit 2013 entstanden sind, bewegen sich vermehrt in Richtung einer künstlerischen Erforschung des Mediums, die Fotografie ist sozusagen mein Untersuchungsgegenstand – als Begriff und Bereich, als Material und Technik –, an dem ich mich abarbeite. 

In einer Zeit wo ja eigentlich jede/r Fotograf/in sein kann, muss Fotografie manchmal seinen Status als künstlerisches Medium verteidigen. Was sagst du dazu, als jemand der/die sich diesem Medium verschrieben hat?
Im Grunde genommen musste sich die Fotografie seit ihrer Entstehung immer verteidigen, wenn man an die Debatten denkt, ob ein mechanisch und chemisch produziertes Bild Kunst sein kann oder nicht. Entscheidend ist doch die Intention, die hinter dem Bild steckt. Was mich an der Fotografie an sich fasziniert, ist eben ihre Vielseitigkeit – es gibt den angewandten Bereich, die Privatfotografie in der sich die "Knipser" herumtreiben, künstlerische Zugänge, etc. – genau aus dieser Vielfalt an Genres entsteht das Problem der Zuordnung und Abgrenzung. Künstlerische Zugänge funktionieren prinzipiell ganz anders als rein kommerzielle oder private, die Motivation ist anders. 

Gibt es für dich irgendetwas, wobei die eigentlichen Stärken der Fotografie zum Tragen kommen – in anderen Worten: gibt es etwas, das man mit Fotografie besser als mit jedem anderen Medium auszudrücken vermag?
Irgendwann fällt die Entscheidung für ein Medium. Ich denke das ist eher eine persönliche Sache. Natürlich gibt es in der Fotografie diesen sehr speziellen Bezug zur Realität – die oft erwähnte Indexikalität – und den zeitlichen Bezug, durch die sich das Medium von anderen klar unterscheidet. Für mich ist im Moment die Arbeit in der Dunkelkammer ein Aspekt, den ich für mich wiederentdeckt habe nach einer längeren Pause – in totaler Dunkelheit ein Bild zu malen ist sicher schwierig, aber vielleicht auch wieder spannend. 

Was erwartet uns in deiner Ausstellung, die anlässlich der ersten Ausgabe der Foto Wien stattfinden wird?
Es werden Arbeiten von mir bei drei verschiedenen Ausstellungen gezeigt. Damit schließe ich zwei größere Projekte ab, die seit 2017 entstanden sind. Bei Curator's Choice in der Festivalzentrale wird Parnidis Grain Studies zu sehen sein, bei dem das Korn als grundlegender Bestandteil des analogen Fotos im Zentrum steht. Besonders am Herzen liegt mir die Ausstellung Fotografie als Motiv, die ich gemeinsam mit Caroline Heider und Lisa Rastl entwickelt habe. Hier steht die fotografische Praxis – also das Handwerk selbst – im Mittelpunkt, und wie dieses als Ideengeber in die künstlerische Arbeit einfließt und somit sichtbar wird. Weiters gibt es im WUK Projektraum die Gruppenausstellung Fotografie 2, die von dem Verein LumenX, der im WUK das Fotolabor betreibt, initiiert wurde. Dort werden medienreflexive Arbeiten zu sehen sein.

03 Claudia Rohrauer Parnidis Grain Studies Contactsheet 12

Parnidis Grain Studies - Contactsheet No.12; (c) Bildrecht 2019/ Claudia Rohrauer

04 Claudia Rohrauer Parnidis Grain Studies Grainology

Parnidis Grain Studies – Grainology; (c) Bildrecht 2019/ Claudia Rohrauer

05 Claudia Rohrauer Parnidis Grain Studies Magnification 02

Parnidis Grain Studies - Magnification No. 02; (c) Bildrecht 2019/ Claudia Rohrauer

Interview: Florian Langhammer
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, fall nicht anders angegeben

Links:
Claudia Rohrauers Website
FOTO WIEN

#photography, #fotowien

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