Editionen

Thomas Ruff
»Zeitungsfoto 021«

03B Truff Zeitungsfoto021 H

Fotoabzug in Farbe, 1990

Im Kirschholz-Rahmen. Beidseitig interferenzoptisch entspiegeltes farbneutrales Museumsglas.

Größe: 14,4 x 16,9 cm (5.7 x 6.6 Zoll), Rahmen  40 x 30 cm (15.7 x 11.8 Zoll)
Auflage: 25

Handsigniert und nummeriert vom Künstler. 

1200 Euro

Inklusive 20% MwSt., zzgl. 50 Euro Versandpauschale innerhalb der EU. Wir bitten unsere nicht-EU Kunden, uns für Versandoptionen und in anderen Währungen zu kontaktieren.

05 Truff Zeitungsfoto021

Zeitungsfoto021 Fotoabzug in Farbe. Gerahmt in Kirschholz. Beidseitig interferenzoptisch entspiegeltes farbneutrales Museumsglas.

»Zeitungsfoto 021« (1990)

Auch bei der Edition Zeitungsfoto 021 reproduziert Thomas Ruff ein aus einer Zeitung entnommenes Foto in doppelter Spaltenbreite und lässt die Bildunterschrift weg. Einmal dem Kontext der Zeitungsberichterstattung entrissen, verliert das Bild eines Kinderwagens seine beabsichtige Bedeutung. 

Das Foto eines Kinderwagens, Symbol für mütterliche Behütetheit, bietet somit Raum für neue Geschichten: Es herrscht Feierabendverkehr im Kölner Stadtteil Braunsfeld an jenem Herbsttag im September 1977. Ein junges Pärchen steht mit einem Kinderwagen an einer Straßenecke des Villenviertels am Stadtwald. Gegen 17:28 Uhr biegt eine Limousine um die Ecke, dahinter ein Begleitfahrzeug mit drei Männern. Plötzlich fährt ein gelber Mercedes rückwärts auf die Fahrbahn und stoppt die Wagenkolonne. Die RAF-Terroristen Peter-Jürgen Boock und Sieglinde Hofmann holen zwei Gewehre aus dem blauen Kinderwagen und eröffnen das Feuer. Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer wird bei der Aktion entführt. Sein Fahrer und drei Leibwächter kommen ums Leben. Es ist einer der dunkelsten Tage der deutschen Nachkriegsgeschichte, in dem ein vermeintlich lapidarer Kinderwagen eine Schlüsselrolle spielte.

»Die Zeitungsfotos habe ich seit zehn Jahren immer ausgeschnitten, weil sie mir tatsächlich aufgefallen sind. Da wird ein Fotograf losgeschickt (…) und versucht, ein möglichst gutes Bild zu machen. Aber dann wird den Fotos ihre eigene Qualität genommen, weil sie ins Raster der Zeitungsspalten und Zeilenzahlen passen müssen. (…) Und manchmal hat dann ein Zeitungsfoto trotzdem noch einen Charme, fotografische Qualitäten, für mich eben, die ich nicht verloren sehen will.« Thomas Ruff, 1995

Serie »Zeitungsfotos«

Bekannt für seine überdimensionalen Porträts, seine Aufnahmen alltäglicher Interieurs und seine scheinbar einfachen Fotografien von Architektur, näherte sich Thomas Ruff leise an verschiede Genres heran, die er diskret neu erfand.

Für die Serie Zeitungsfotos sammelte Thomas Ruff zwischen 1981 und 1991 rund 2.500 Zeitungsfotos aus deutschsprachigen Zeitungen. Es handelt sich dabei um Bilder aus allen Wissens- und Lebensbereichen. Aus seinem Archiv wählte er 400 Bilder aus, die er ohne die erklärenden Bildunterschriften in der doppelten Spaltenbreite reproduzierte. 

Diese Manipulation wurzelt in Ruffs Interesse am Verhältnis zwischen Fotografen und Redakteuren sowie deren Einflussnahme auf den Informationsgehalt. Durch dieses Eingreifen entbindet er die Bilder ihrer ursprünglichen Bedeutung und wirft die Frage auf, inwiefern Bilder als Informationsmedien nur in einem spezifischen Raster funktionieren können.

»Ich interessiere mich mehr für das Bild als für die Wirklichkeit.« Thomas Ruff

Über Thomas Ruff

Thomas Ruff (*1958 in Zell am Harmersbach) studierte in den Siebziger Jahren neben Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte und Thomas Struth als Schüler von Bernd und Hilla Becher an der Düsseldorfer Akademie. Er begann zunächst Innenräume seiner nächsten Umgebung zu fotografieren – allerdings, einer der Unterschiede zwischen ihm und seinen Lehrern, in Farbe.

Ruff zeigt Oberfläche, wo der Betrachter allzu gern Tiefe hineindenkt: "Ich gehe davon aus, dass die Fotografie nur die Oberfläche der Dinge abbilden kann.", sagte er einmal. Er untersucht eine Vielzahl von Themen, die sich im Spektrum der Techniken, derer er sich bedient, widerspiegelt: in seiner Arbeit existieren analoge und digitale Belichtungen genauso wie computergenerierte Bilder, Fotografien aus wissenschaftlichen Archiven, oder etwa Bilder, die Ruff Zeitungen, Magazinen oder dem Internet entnimmt und verändert.

Thomas Ruff gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Kunstwelt. Seine Arbeiten sind in den Sammlungen der großen Museen weltweit vertreten – u.a. The Art Institute of Chicago; Dallas Museum of Art; Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart, Berlin; Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, D.C.; The Metropolitan Museum of Art, New York; Moderna Museet, Stockholm; Solomon R. Guggenheim Museum, New York; und Stedelijk Museum voor Actuele Kunst (S.M.A.K.). Thomas Ruff lebt und arbeitet in Düsseldorf, Deutschland. 

Connect with us
Als Subscriber erfahren Sie als erstes von neuen Stories und Editionen, und erhalten unser wöchentliches Culture Briefing.