Sophie Hirsch I Maruša Sagadin
11 September – 27 Oktober 2026
Franz-Josefs-Kai 3/16, 3. Stock
1010 Wien
Öffnungszeiten
Mi – Fr 12 – 18
Sa 12 – 16
An Feiertagen geschlossen
Im Rahmen der aktuellen Ausstellung bei Collectors Agenda treten Sophie Hirsch (*1986, Wien) und Maruša Sagadin (*1978, Ljubljana) erstmals in einen gemeinsamen Dialog, der sich mit dem Körper als formgebendem Prinzip auseinandersetzt. Skulptur wird hier als etwas Körperliches begriffen: als Struktur, die sowohl Kraft und Verletzlichkeit als auch Halt und Fürsorge verhandelt.
Sophie Hirsch untersucht in einer körpernahen Auseinandersetzung mit Haltung, körperlichem Gedächtnis und emotionalen Prozessen das Zusammenspiel von Materialität, Bewegung und Spannung, in dem das Robuste im Fragilen und das Fragile im Robusten aufeinandertreffen. Geprägt von früheren Erfahrungen in einem New Yorker Pilates-Studio, begreift sie den Körper als form- und manipulierbare Struktur. Mithilfe von Materialien wie Silikon, Metall, Textilien, Thera-Bändern, Faszienbällen und orthopädischen Kissen schafft sie Werke, die sich somatischer Behandlungstechniken bedienen und dabei ebenso das Groteske und Unbehagliche wie das Anmutige und Verführerische einsetzen.
In ihrer künstlerischen Praxis untersucht Maruša Sagadin das Zusammenspiel von Gender, Sprache und Skulptur mit den Mitteln moderner Architektur. Ihre Installationen und Objekte funktionieren bewusst im Innen- wie im Außenraum gleichermaßen – oft im Kontext alltäglicher, öffentlicher Orte, deren Durchlässigkeit und Benutzbarkeit sie hinterfragt – und verweisen auf Elemente der Pop- und Subkultur, arbeiten mit Verspieltheit, Fantasie und Übertreibung. Im Zentrum steht dabei immer wieder der Körper: seine Form, seine Bedürfnisse und die Fürsorge, die er verlangt. Dabei interessiert sie sowohl der Körper der Betrachter:innen als auch der menschliche Körper als universelles Maß ihrer Skulpturen. Nicht selten erweitert sie ihre Arbeiten zudem um einen performativen Akt, der die Betrachter:innen einlädt, aktiv an der Kunst teilzunehmen.
In der Gegenüberstellung treffen Sophie Hirschs körpernahe Wandarbeiten aus Silikon auf Maruša Sagadins raumgreifende, architektonisch gedachte Objekte. Während Hirsch den Körper von innen her denkt, als Struktur, die Spannung zwischen Kraft und Verletzlichkeit hält, verhandelt Sagadin ihn von außen: als Maß für Räume, die sich öffnen, schließen und Fürsorge einfordern. Auch die beiden Editionen für Collectors Agenda gehen von einem einzigen Ausgangspunkt aus, der sich von Stück zu Stück leicht verändert: bei Hirsch derselbe Gipsabdruck, der achtmal gegossen wird, bei Sagadin ein serielles Modul, das sich je nach Anordnung neu komponiert. So bleibt Skulptur bei beiden Künstlerinnen eng an den Körper gebunden, wenngleich aus entgegengesetzten Richtungen befragt.
Text: Livia Klein
Portraitfoto Sophie Hirsch: (c) Christoph Liebentritt
Portraitfoto Maruša Sagadin: (c) Florian Langhammer