En

Keith Boadwee, Emeryville

In the Studio

»Ich habe mein eigenes kleines Universum erschaffen, das nichts mit dem zu tun hat, was außerhalb meiner Tür passiert.«

Der amerikanische Konzeptkünstler Keith Boadwee wurde Anfang der 1990er Jahre durch abstrakte Aktionsmalerei und Fotografie bekannt, die die Grenzen des Anstands sprengten. Im Laufe der Zeit hat er seine Praxis auf mehrere, sich überschneidende Werkbereiche ausgeweitet – von schnellen, expressiven und oft anzüglichen figurativen Gemälden bis hin zu neueren Werken mit Fröschen, Pudeln und Haushaltsgegenständen. Humor bleibt ein wichtiges Element, auch wenn Boadwee sich dagegen wehrt, dass seine Kunst einfach als „Spaß“ abgetan wird. Von Anfang an waren seine Arbeiten eine furchtlose Auseinandersetzung mit radikaler Queerness, sexueller Freiheit und Sozialkritik.

Keith, du hast kürzlich auf Instagram den russischen Schriftsteller Leo Tolstoi als Stilvorbild erwähnt. Er hatte einen strengen Tagesablauf – er stand um fünf Uhr morgens auf, verbrachte viele Stunden mit Schreiben und mied Besucher:innen und Ablenkungen. Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Ich bin kein Mensch, der nach einem strengen Zeitplan arbeitet. Der Winter macht es mir besonders schwer – ich mag das Licht im Atelier nicht, mein Atelier ist kalt und es wird früh dunkel. Sobald die Sonne untergeht, hab ich normalerweise keine Lust mehr zu arbeiten. Als ich jünger war, habe ich nachts unter künstlichem Licht gearbeitet. Ich habe am Nachmittag angefangen und bis drei oder vier Uhr morgens weitergemacht, manchmal sogar die ganze Nacht durch. Heute ist ein guter Tag, wenn ich gegen Mittag im Atelier anfangen kann. Wenn es warm und sonnig ist, bleibe ich von mittags bis sechs oder sieben Uhr abends dort.

Hast du dir als Kind vorgestellt, Künstler zu werden?
Ich bin in Louisiana aufgewachsen, im Süden der USA – einer sehr religiösen und konservativen Gegend. Ich bin mit anderen Kindern auf Bauernhöfen groß geworden und habe als Kind nie gezeichnet oder Kunstunterricht bekommen. Im College habe ich zwei junge Professoren für Theater kennengelernt, die sehr links und radikal waren. Ihre Bekanntschaft zu machen hat mein Leben verändert. Sie haben mich Dinge erkennen lassen, über die ich vorher nie nachgedacht hatte: Man muss nicht an Gott glauben oder Christ sein, und man muss nicht an den Kapitalismus glauben. Das waren an sich einfache Ideen, aber für einen 17-Jährigen wie mich, der aus einer Kleinstadt und einer Familie ohne intellektuellen Austausch stammte, waren sie eine echte Offenbarung.

Mit 28 hast du deinen Bachelor of Arts an der UCLA (University of California Los Angeles) gemacht. Heißt das, dass du einen anderen Weg eingeschlagen hättest, bevor du dich der Kunst verschrieben hast?
Die nächstgelegene Großstadt zu meinem Heimatort war New Orleans. Dort gab es viel Essen, Musik und Kultur, aber nicht viel Kunst. Ich habe dort ein paar Jahre Theater studiert und bin dann nach New York gezogen, ohne genau zu wissen, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Mit 22 habe ich begonnen, mich mit einem reichen Mann aus Los Angeles zu treffen, der mich fragte, ob ich dorthin ziehen wolle. Ich stimmte zu, aber nach ein paar Jahren wurde mir klar, dass ich nicht von jemand anderem abhängig sein wollte – ich musste meinen eigenen Weg gehen. In Los Angeles begann ich, Museen zu besuchen, und die moderne und zeitgenössische Kunst weckte etwas in mir. Eines Tages beschloss ich, Maler zu werden. Ich kaufte Leinwand, Pinsel und Acrylfarben und begann, in meinem Schlafzimmer zu malen. Nach etwa einem Jahr wurde mir klar, dass ich an die Uni gehen und ernsthaft Malerei studieren sollte. Also schrieb ich mich an der University of California in Los Angeles ein. Zu dieser Zeit hatte die UCLA eine starke Fakultät, obwohl sie für ihr Studienprogramm im Bereich Kunst noch nicht so bekannt war wie heute.

03 Keith Boadwee Graham Holoch

Du hast bei Paul McCarthy studiert, einem der einflussreichsten zeitgenössischen amerikanischen Künstler. Wie war diese Erfahrung?
Wenn man darüber nachdenkt, ist es wirklich ein Wunder. Ich war etwa fünf oder sechs Jahre an der Uni, bevor seine Karriere richtig florierte. Seine Arbeiten waren so wild und so unerwartet, dass man sich kaum vorstellen konnte, dass er mal ein  so berühmter Künstler werden würde. Er war großartig und hat mich sehr ermutigt. LA selbst war gerade dabei, sich zu einer großen Kunststadt zu entwickeln. Ich bin einfach zufällig dort gelandet und war plötzlich von wirklich tollen Leuten umgeben. Die Herausforderung für mich war, dass ich etwa fünf Jahre älter war als die meisten anderen Studenten. Ich hatte das Gefühl, viel Zeit verloren zu haben, also musste ich härter arbeiten, mich mehr anstrengen und mich wirklich ins Zeug legen, um eine Karriere aufzubauen.

Du hast deine Karriere mit Performance und Fotografie begonnen und dabei deinen Körper – einschließlich deiner Genitalien – als zentrales Medium eingesetzt. Wie war es, in deiner Kunst so exponiert zu sein?
Ich wollte die Leute schockieren, ihre Aufmerksamkeit erregen, ein Publikum haben – ein bisschen punkig sein, mit einer gewissen „Fuck you“ Einstellung. Für viele Leute war das schockierend, es hat Aufsehen erregt. Aber im Grunde wusste ich nur sehr wenig über die Kunstwelt. Ich war ehrgeizig und habe unermüdlich gearbeitet. Irgendwie hat sich alles schnell entwickelt. Ich wurde erfolgreich, aber ich war jung und leichtsinnig. Ich habe falsche Entscheidungen getroffen, mit den falschen Leuten zusammengearbeitet, und am Ende ist alles auseinandergefallen. Ich habe viele Leute verärgert. Ich war von mir selbst eingenommen. Mit der Zeit habe ich etwas Einfaches erkannt: Menschen reagieren auf Freundlichkeit. Sei nett zu allen und erschaffe etwas. Das sind die wichtigen Dinge, die ich auf dieser Reise gelernt habe. Ich gebe mein Bestes. Manchmal schaffe ich es, manchmal nicht.

Die Enema Paintings, bei denen du deinen Körper benutzt hast, um abstrakte Werke zu schaffen, indem du Farbe aus deinem Anus herausgepresst hast, haben dir große Berühmtheit gebracht. Wie hat das deine Karriere verändert?
Ich dachte, dass jede neue Ausstellung, die ich machte, komplett anders sein musste als alles, was ich vorher gemacht hatte. Sie musste provokativ sein. Ich habe ständig versucht, mich selbst zu übertreffen, um eine größere, wirkungsvollere Geste zu machen. Aber irgendwann wurde mir klar, dass dieser Ansatz nicht funktionieren würde. Nachdem die Enema Paintings so viel Aufsehen erregt hatten, dachte ich: „Was kann ich als Nächstes tun, um das noch zu übertreffen?“ Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass das Streben nach einer solchen Steigerung eine Sackgasse war – und dass der Versuch, damit weiterzumachen, ehrlich gesagt eine ziemlich dumme Idee war. 

05 Keith Boadwee Graham Holoch

In dieser Arbeit würdigst du das Erbe von Jackson Pollock und seine ikonische Tropftechnik und unterwanderst es gleichzeitig. In deiner gesamten Karriere sind Verweise auf die Kunstgeschichte ein konstantes Element. Was treibt dieses Engagement an?
Ich denke, Kunst über Kunst kann viele Leute ausschließen, deshalb versuche ich, andere Ebenen hinzuzufügen, die auch Zuschauer:innen ansprechen, die diese Geschichte nicht kennen. Aber es gibt noch eine andere Seite: Als Künstler:in ist dein Leben komplett von Kunst geprägt. Sie wird Teil deines Alltags – etwas, das du lebst und atmest –, daher fühlt es sich natürlich an, sie zu kritisieren oder zu kommentieren. Wie du sagst fungiert die Arbeit sowohl als Kritik als auch als Hommage. Diese Werke wurden als weibliche Kritik an einer männlichen oder phallozentrischen Geste interpretiert (was sie natürlich auch sind), aber meine Absicht war es eher, die Abstraktion selbst zu kritisieren. Das würde eine viel tiefergreifende Diskussion erfordern.

Ich habe gelesen, dass dein Motto in den 90er Jahren lautete: „Wenn du nicht bereit bist, dich selbst zu demütigen, wird deine Kunst wahrscheinlich nicht gut sein”. Wie stehst du heute dazu?
Das war nicht ich, sondern der amerikanische Filmemacher John Waters, der so etwas gesagt hat. Er findet meine Arbeit stark, weil ich keine Angst habe, mich selbst zu demütigen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich selbst jemals wirklich das Gefühl habe, mich zu blamieren oder zu demütigen. Ich habe jedoch viele Dinge getan, die die meisten Menschen als peinlich oder demütigend empfinden würden, wenn sie sie täten.

Hat es sich auf deine frühe Karriere ausgewirkt, dass du ein queerer Künstler bist?
In den letzten zwanzig Jahren gab es einen echten Vorstoß für eine breitere Repräsentation – für People of Color, Transgender, Queers und Menschen mit Behinderungen –, was eine große Veränderung ist. Jetzt beginnt die Kunstwelt, ein breiteres Spektrum an Stimmen einzubeziehen. Als ich in die Kunstwelt eintrat, war das Interesse an queeren Künstler:innen und queeren Bildern gerade im Aufschwung. In diesem Sinne hatte ich Glück.

Was bedeutet es für dich, ein queerer Künstler zu sein? 
Man  ist Teil einer Community, die unterdrückt wurde – und immer noch wird. In Amerika gibt es viel Homophobie und Transphobie, und angesichts des aktuellen politischen Klimas haben die Menschen Angst, sich offen und öffentlich zu äußern, was lange Zeit nicht mehr der Fall war. Natürlich ist Sichtbarkeit wichtig. Offenheit ist wichtig. Aber es macht mich immer noch verrückt, dass das wichtig sein muss. Ich will nicht „Keith Boadwee, ein queerer Künstler” sein. Ich will einfach nur Keith Boadwee sein. Ich bin ein Künstler, dessen Arbeit aus meinen eigenen Erfahrungen entsteht. Zu diesen Erfahrungen gehört auch, queer zu sein, aber es geht mir mehr darum, ich selbst zu sein, als eine Kategorie zu repräsentieren. Es ist anstrengend, dass wir immer wieder in diese Diskussion zurückgedrängt werden, weil die Leute nicht aufhören, uns feindselig gegenüberzustehen. Dennoch ist einer der bedeutendsten Aspekte meiner Arbeit, dass ich von jüngeren queeren Künstler:innen höre, dass meine Arbeit für sie wichtig war – dass sie ihre Kunst beeinflusst, ihnen Freude bereitet oder ihnen geholfen hat, sich gesehen zu fühlen.

Nach einer langen Pause von der Öffentlichkeit bist du zur Malerei zurückgekehrt. Was hat dieses Comeback ausgelöst?
Ich habe mich eine Weile aus der Kunstszene zurückgezogen, aber ich habe nie aufgehört zu arbeiten. Der Wechsel von der Performance-Fotografie zur Malerei hatte vor allem mit dem Prozess zu tun. Als ich selbst das Motiv der Fotos war, konnte ich sie nicht selbst machen – ich brauchte immer einen Fotografen, den richtigen Raum, die richtige Beleuchtung und ganz bestimmte Bedingungen. Dann kamen noch die Kosten für die Entwicklung, Montage, den Druck und die Rahmung hinzu, und so viele Schritte entfernten mich von dem, was ich eigentlich machen wollte. Dann wurde mir klar, dass ich vergessen hatte, wie man malt, und es von Grund auf neu lernen musste, was lange gedauert hat – und ich lerne immer noch, wie man malt. Die Malerei ermöglicht es mir, jeden Tag direkt zu arbeiten, ohne all die Zwischenschritte, die zwischen dem Gedanken und dem fertigen Werk stehen. Im Laufe der Zeit habe ich ein großes Vokabular an Bildern, Ideen und Herstellungsweisen angesammelt, und jetzt nehme ich einfach all diese Teile und setze sie auf unterschiedliche Weise zusammen.

Deine Arbeit besteht jetzt aber nicht mehr nur aus Gemälden.
Ja, ich schaffe mehrere Werkgruppen. Einige sind figurative Gemälde, die schnell, ausdrucksstark, obszön oder abstoßend sind. Zu den neueren Werken gehören die Frösche, Pudel und Emo-Kids. Die Enema Paintings, mit denen ich 1995 begonnen habe, sind ein fortlaufendes Projekt, das Blumen, Gottesaugen und Karomuster einbezieht. Ich mache auch Arbeiten auf Papier, darunter meine obszönen Zeichnungen und Collagen. Außerdem gibt es einen Fundus an Fotografien, die auf frühere Foto-Performance-Arbeiten aus dem letzten Jahrzehnt zurückgehen, welche bislang nicht veröffentlicht wurden.

08 Keith Boadwee Graham Holoch
09 Keith Boadwee Graham Holoch

Wie kam es dazu, dass Tiere eine so zentrale Rolle in deiner Arbeit einnehmen?
Ich war schon immer sehr schlecht darin, Menschen zu malen, also habe ich angefangen, Frösche und Pudel zu malen. Wenn man eine Person aus dem Leben malt, können die Leute sehr wertend sein – die Betrachter haben starre und strenge Erwartungen daran, wie eine menschliche Figur aussehen sollte. Frösche und Pudel hingegen fungieren als Stellvertreter für Menschen. Sie können grundlegende menschliche Emotionen und Ausdrucksformen vermitteln, ohne aus technischer Sicht so hart beurteilt zu werden.

Gibt es in deinen aktuellen Werken noch immer ein persönliches oder autobiografisches Element?
Für mich ist jedes Werk autobiografisch. Aber wenn ich etwas schaffe, frage ich mich nie: „Worum geht es hier?“ Der Impuls ist einfach, es zu schaffen. Ich habe lange Zeit an einer Kunsthochschule unterrichtet, und eine Sache, die ich wirklich hasste, war, wie sehr das Schulsystem darauf ausgelegt war, dass die Schüler:innen ihre Arbeiten erklären mussten. Ich finde das schrecklich, denn das Tolle an einem Kunstwerk ist das Geheimnisvolle. Wie ein Werk erklärt oder verstanden wird, ist die Aufgabe anderer Menschen, nicht meine.

Dein Sinn für Humor scheint in der zeitgenössischen Kunst ziemlich selten zu sein. Aber ich habe gehört, dass du nicht glücklich wärst, wenn jemand deine Arbeit als lustig bezeichnen würde. Stimmt das?
Es ist okay, wenn Leute meine Arbeit als lustig bezeichnen, das stört mich nicht. Ich möchte, dass die Leute lachen oder lächeln oder was auch immer – lustig ist toll. Was die Leute jedoch oft sagen, ist, dass meine Arbeit „Spaß macht“. Für mich ist Spaß eine Achterbahnfahrt, den Barbie-Film anschauen zu gehenoder ein Taylor-Swift-Konzert zu besuchen. Das sind spaßige Aktivitäten. Es hat etwas Abwertendes, Kunstwerke als „spaßig” zu bezeichnen, und ich habe es schon oft gehört.

11 Keith Boadwee Graham Holoch

Glaubst du, dass Humor Kunstwerke zugänglicher macht?
Humor macht Kunst tatsächlich zugänglicher. Einige Künstler:innen verstehen das. Und viele Betrachter:innen verstehen das. Wenn du aber ein Künstler bist, der Humor einsetzt, sehen Galerien und Institutionen dich oft als weniger bedeutend an als diejenigen, die „ernsthafte“ Kunst machen. Es macht mich immer traurig, dass meine Arbeit bei den Leuten beliebt ist, aber nicht bei den Institutionen. Das verstehe ich nicht!

2025 hattest du eine große Retrospektive mit dem Titel Head to Toe: Works from 1990-2024. Wie war es für dich, durch diese Ausstellung auf deine Karriere zurückzublicken? 
Ich wollte diese Ausstellung schon lange machen. Kurz vor der geplanten Eröffnung gab es die Brände (in Los Angeles). Ich wollte sie eigentlich um Monate verschieben, aber die Werke waren schon nach Los Angeles verschickt worden und hingen an den Wänden. Letztendlich haben wir die Eröffnung nur um zwei Wochen verschoben. Zu diesem Zeitpunkt waren die Menschen wieder bereit, sich an Orten zu versammeln. Viele Leute kamen zur Eröffnung, was echt schön war. Los Angeles ist wahrscheinlich der Ort auf der Welt, an dem mich die Leute am besten kennen. Dort habe ich meine Karriere begonnen, und viele meiner ehemaligen Mitschüler:innen sowie meine Lehrer:innen waren dort. Ich habe Leute aus meiner Anfangszeit und aus allen Phasen meines Lebens getroffen. In gewisser Weise war es toll, gerade zu diesem Zeitpunkt eine Ausstellung zu haben, denn ich glaube, die lokale Bevölkerung brauchte wirklich eine Portion Unbeschwertheit und Gründe, um zusammenzukommen. Kommerziell gesehen war es wahrscheinlich nicht der beste Zeitpunkt für eine Ausstellung, aber immerhin habe ich mein Haus nicht durch den Brand verloren – es kommt eben immer auf die Perspektive an.

Woran arbeitest du gerade?
Ich fange gerade an, eine neue Gruppe von Gemälden zu schaffen. Ende Juni 2026 oder Anfang Juli werde ich eine Ausstellung mit OTP Copenhagen eröffnen. Außerdem werde ich ein Residenzprogramm bei der Fondazione Lac o Le Mon in San Cesario di Lecce, Italien, absolvieren, zu dem mich der Künstler Luigi Presicce eingeladen hat. Ich war seit 2022 nicht mehr in Europa und freue mich darauf, im Juli und August mit dem Zug zu reisen und viele Freunde auf dem ganzen Kontinent zu besuchen!

Wenn du dich heutzutage einer fremden Person als Künstler vorstellen müsstest, was würdest du sagen?
Manche Künstler:innen konzentrieren sich sehr auf das, was außerhalb ihrer selbst liegt, auf die Welt um sie herum. Meine Kunstpraxis ist sehr innerlich – sie spielt sich komplett in meinem Kopf ab. Sie ist eine Flucht. Ich lebe in dieser sicheren kleinen Welt, die ich mir selbst geschaffen habe. Dort gibt es Toiletten, Frösche, Schnecken, Hunde, Katzen, Vulkane, Dinosaurier, Bananen, Blumen, Flaggen, Menschen, Käse, Zigaretten, Cocktails ... und jede Menge Scheiße, Pisse, Titten, Schwänze und Arschlöcher. Es ist, als hätte ich meine eigene Armee um mich herum, meinen eigenen kleinen Club. Ich schätze, ich bin einfach ein Spinner, der seltsame Sachen macht und sich sein eigenes kleines Universum erschafft, das nichts mit dem zu tun hat, was außerhalb meiner Tür passiert. Ich benutze gerne Symbole und Bilder, die jedem bekannt sind, als Einstiegspunkte. Letztendlich bilden sie zusammen einen Kokon, in dem ich Trost und Glück finde. Ich denke, meine Betrachter:innen können das mit mir teilen.

12 Keith Boadwee Graham Holoch

Text: Anton Isiukov 
Fotos: Graham Holoch

Connect with us
Als Subscriber erfahren Sie als erstes von neuen Stories und Editionen und erhalten unser zweiwöchentliches Culture Briefing.