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Tschabalala Self, New York

In the Studio

»Sexualität in meiner Arbeit ist ein Protest gegen den Tod.«

Durch die Kombination von Farbe, recycelten Materialien, Collagen und Textilien schafft Tschabalala Self eine Welt, die sowohl sinnlich als auch politisch ist. In ihren kraftvollen Bildern von schwarzen Körpern – meist Frauen – stellt sie Lust, Entspannung und Selbstbeherrschung in den Mittelpunkt und setzt sich gleichzeitig gegen die Geschichte von Rassismus und Sexismus zur Wehr, die die Wahrnehmung dieser Körper geprägt hat. Ausgehend von persönlichen Erinnerungen, eigenen und beobachteten Erfahrungen sowie der materiellen geschichtlichen Bedeutung von Stoffen und Handwerk fordert Self in ihren Werken das Recht ein, ganz und gar gesehen zu werden, und zwar zu den von ihren Figuren selbst bestimmten Bedingungen.

Tschabalala, wie stellst du dich als Künstlerin normalerweise jemandem vor, der deine Arbeit nicht kennt?
Wenn ich Leute zum ersten Mal treffe, sage ich meistens, dass ich Malerin bin. Oft fragen sie dann, mit welchem Medium ich arbeite, und ich erkläre, dass ich in meinen Werken viel Stoff verwende – das macht sie einzigartig. Wenn sie nach dem Thema fragen, sage ich immer „Figuration”. Das ist eine gute Standardantwort, die den Leuten ein allgemeines Verständnis davon vermittelt, was ich mache und was mich interessiert.

Zeichnen ist ja so etwas wie ein kindlicher Instinkt – wie hat sich dein Zeichnen zu einer Art und Weise entwickelt, die Welt zu sehen und schließlich zu deiner spezifischen künstlerischen Ausdrucksweise?
Zeichnen war für mich als Kind immer etwas, das ich zum Spaß gemacht habe – eine Möglichkeit, mich zu beschäftigen und Ideen und Emotionen zu verarbeiten. Da ich die Jüngste in meiner Familie war, verbrachte ich viel Zeit damit, andere Leute zu beobachten und ihnen zuzuhören und eine Welt zu observieren, an der ich noch nicht wirklich teilhatte. Meine Geschwister waren viel älter als ich, und meine Eltern bekamen mich erst spät in ihrem Leben, sodass ich mich zu Hause oft wie im Theater fühlte. Ich beobachtete, wie sich Ereignisse in ihrem Leben abspielten – meine Geschwister mit ihren Freund:innen und Partner:innen, meine Eltern – und lernte, wie Menschen sich ausdrücken, von kleinsten Ausdrucksformen bis hin zu zwischenmenschlichen Dynamiken. Ich glaube, all das habe ich in meine Arbeit einfließen lassen. Als ich etwas älter wurde, beschloss ich, mich ernsthafter mit Kunst zu beschäftigen. Das hatte mich schon immer interessiert, aber da ich in New York City, genau genommen in Harlem, aufgewachsen bin, war ich von Menschen umgeben, die ihr Leben der Kunst gewidmet hatten – Schauspieler:innen, Sänger:innen, Künstler:innen, Schriftsteller:innen. 

Und es gab wohl viele Orte für Kunst zu entdecken?
Während meiner Highschool-Zeit habe ich viel Zeit damit verbracht, Museen zu besuchen und dort Praktika zu machen, und habe auch in einigen Galerien gearbeitet. Ich war neugierig und wollte verstehen, was die Kunstwelt ausmacht und wie Kunst Teil unserer Welt werden kann, denn das kann sich auch manchmal sehr schwer fassbar anfühlen. Ich habe genug herausgefunden, um zu erkennen, dass es einen Mechanismus gibt – einen sozialen Raum innerhalb der Kunstwelt –, der dies zu erleichtern scheint. Also habe ich versucht, mich so oft wie möglich in diesen Umgebungen aufzuhalten. Für mein Studium ging ich ans Bard College, eine private Hochschule für freie Künste, also nicht an eine eigentliche Kunsthochschule, obwohl tatsächlich viele bildende Künstler:innen ans Bard College gehen und es dort ein starkes Angebot an künstlerischen Studiengängen gibt. Ab da begann ich, meine Kunstkurse ernster zu nehmen. Das war der Punkt in meinem Leben, an dem ich beschloss, Künstlerin zu werden – oder es zumindest zu versuchen. Aber erst an der Yale School of Art machte ich meine ersten Erfahrungen in einer Institution, die sich ganz der Kunst widmet. Ich war umgeben von Menschen, die wirklich verstanden, was es bedeutet, ein Leben als Maler:in zu führen, und das hat meinen Wunsch – und meinen Glauben –, dass das wirklich möglich ist, noch verstärkt.

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Deine Familie hat deine Entscheidung unterstützt, nehme ich an?
Ich hatte keinen Widerstand von meiner Familie, was meine künstlerische Laufbahn anging. Sie sind Menschen, die Kunst unterstützen und lieben. Tatsächlich sind meine Eltern aus dem Süden nach New York gezogen, weil mein Vater seinen Master in Kreativem Schreiben an der Columbia University gemacht hat. Ich bin also in einer Familie aufgewachsen, die schon immer an Kunst als etwas Wertvolles und Sinnvolles glaubte.

Dein Stil hat sich weiterentwickelt, aber die Kernideen sind gleich geblieben. Wusstest du schon immer, was du ausdrücken wolltest und wie deine Bildsprache aussehen würde?
Seit etwa 2015 habe ich eine Bildsprache entwickelt, mit der ich meine Ideen voll und ganz ausdrücken konnte. Als ich diese Sprache gefunden hatte, ging es darum, sie zu verfeinern und innerhalb ihrer Grenzen zu experimentieren. Konzeptionell hat sich meine Arbeit im Laufe der Zeit erweitert und verändert, aber im Kern ist sie eigentlich dieselbe geblieben. Es geht um die Bedeutung des menschlichen Körpers als Gefäß – und insbesondere um den Körper der Schwarzen Frau, dem mein Hauptinteresse gilt. Ich betrachte diesen Körper sowohl als Ikone als auch als Symbol und denke über die damit verbundene Symbolik nach – die Symbolik, die seiner Form und Erfahrung innewohnt, sowie darüber, was mit der Bedeutung des Körpers der Schwarzen Frau verbunden ist und was davon angenommen wird, wenn er in der Populärkultur, insbesondere in der westlichen Welt, dargestellt wird.

Bei deiner Ausstellung Around the Way 2024 in Helsinki habe ich ein starkes Gefühl von Freiheit, Freude und Selbstbewusstsein erlebt. Wie verbindest du diese Gefühle mit Kritik und politischem Bewusstsein in deiner Arbeit?
Für den Schwarzen Körper, und insbesondere den Körper Schwarzer Frauen, ist es entscheidend, Rassismus und Sexismus durch bewusste Verkörperung entgegenzuwirken. Denn diese Systeme sind darauf ausgelegt, dass man seine eigene Körperlichkeit ablehnt und sich davor fürchtet, seinen Körper voll und ganz zu leben. Sich seiner eigenen Körperlichkeit bewusst zu werden, sich in seiner Weiblichkeit und Schwarzheit wohl und selbstbewusst zu fühlen und Freude daran zu finden, ist meiner Meinung nach der einzige Weg, diesen Realitäten entgegenzuwirken. Bei der Sexualität in meiner Arbeit geht es um Lust, aber im Grunde geht es wirklich um eine Zukunft für Schwarze. Ohne Schwarze Sexualität gibt es keine zukünftige Generation von Schwarzen Menschen. Sie muss gefördert werden, weil sie die Zukunft der Schwarzen Communitys betrifft. Sie hat sowohl einen politischen als auch einen sozialen Aspekt und fördert die Verkörperung und das Vergnügen.

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Manche reagieren vielleicht eher zuerst auf die visuelle Intensität oder Erotik in deiner Arbeit, während ihre konzeptionellen Ebenen weniger offensichtlich sind. Was denkst du über diese Spannung zwischen Oberfläche und Tiefe?
Kunst kann nicht didaktisch sein in dem Sinne, dass alles für jede:n Betrachter:in vollständig erklärt wird. Was man tun kann, ist, dem Publikum eine Reihe von Anregungen und Fragen an die Hand zu geben und es dazu anzuregen, darüber nachzudenken und zu reflektieren. Ich denke auch, dass jede Form von Kunst zwei Bedeutungsebenen hat. Es gibt eine Bedeutung, die eher oberflächlich ist – die, auf die die meisten Menschen sofort kommen – und dann gibt es eine tiefere, esoterischere Bedeutung. Die Sexualität in meinen Arbeiten funktioniert auf ähnliche Weise. Oberflächlich betrachtet geht es um Freiheit, Verkörperung und Ausdruck. Aber auf einer tieferen Ebene ist Sexualität ein Protest gegen den Tod. Das Ziel von Rassismus ist im Wesentlichen, Schwarze Menschen daran zu hindern, sich zu vermehren und voranzukommen. Ich sehe Sexualität als mehr als nur etwas, das mit der Körperlichkeit eines Menschen zu tun hat; sie ist ein von Gott gegebenes Merkmal, das die Schaffung neuen Lebens, potenziell neuer Menschen, ermöglicht. Bei Sexualität geht es darum, Leben zu schaffen – im wörtlichen Sinne, aber auch metaphorisch, indem man ganz im Moment ist, nicht an die Vergangenheit oder Zukunft denkt, sondern nur an das Hier und Jetzt. Wenn nur eine:r von zehn Besucher:innen zu dieser tieferen Erkenntnis kommt, reicht mir das schon. 

Kannst du mehr über deine Figuren erzählen und wie sie entstehen? Spiegelt sich in ihnen deine eigene Persönlichkeit wider oder sind sie eher von dem geprägt, was du um dich herum beobachtest?
Meine eigenen Erfahrungen sind definitiv Teil der Arbeit, aber auch meine Erinnerungen an andere Menschen und andere Szenarien. Viele der Figuren in meinen Bildern sind Ausdruck von Gefühlen, Emotionen oder Sehnsüchten, die physisch geworden sind. Es sind keine Porträts, weil sie nicht auf dem Leben einer bestimmten Person basieren. Sie sind eine Kombination aus verschiedenen Dingen.

Wie haben Schwarze Frauen auf deine Arbeit reagiert und wie wirkt sich das auf dich aus?
Ich denke, viele Schwarze Frauen können sich leicht mit der Arbeit identifizieren. Einige Leute haben auch Kritik geübt, vor allem, was die Darstellung von Sexualität angeht. Sexualität wurde oft als Waffe gegen die Schwarze Gemeinschaft eingesetzt, daher halte ich diese Bedenken für berechtigt. Aber sobald die Leute meine Absicht und die Funktion der Sexualität in der Arbeit verstehen, wird sie eher in einem positiveren Kontext gesehen. Ich denke auch, dass Menschen mit ganz anderen Lebenserfahrungen als ich sich trotzdem mit der Arbeit identifizieren können, weil es im Kern um eine zutiefst menschliche Erfahrung geht. Ich erzähle diese Geschichte aus meiner eigenen Perspektive, die ich natürlich am besten kenne, aber das Ziel ist es, ein gewisses Maß an Klarheit, Aufrichtigkeit und Wahrheit zu erreichen. Und wenn diese Wahrheit erreicht ist, können alle Menschen damit in Verbindung treten, weil es etwas Universelles ist.

Die Figur einer sitzenden Frau, die entspannt und doch stark wirkt, taucht in vielen deiner Werke auf. Was vermittelt diese Haltung dem:der Betrachter:in? 
Im Kontext der Identitätspolitik können eine Schwarze Frau und ein Stuhl – besonders in Amerika – eine starke Geste sein. Es geht darum, Raum einzunehmen und sich einen Moment der Muße oder Ruhe zu gönnen. Ruhe ist für Schwarze Frauen oft schwer zu erreichen, da von ihnen erwartet wird, dass sie ständig arbeiten und sich um andere kümmern. Die Vorstellung von Muße – nicht nur Ruhe, sondern eine Auszeit von der Arbeit und ein Moment des persönlichen Glücks – wird zu etwas Seltenem. Ich sehe in den sitzenden Frauenfiguren ein Spiegelbild dieser Erzählung. Unabhängig davon, aber damit verbunden, geht es auch darum, alltägliche Momente des Lebens auf eine tiefgründige Ebene zu heben. Das ist etwas, mit dem sich alle Betrachter:innen identifizieren können: Momente, in denen man einfach allein mit seinen Gedanken ist, das Leben in sich aufnimmt und sich vielleicht sogar fragt, warum man gerade diese Erfahrung macht. Bei diesen allein sitzenden Figuren geht es im Wesentlichen um Einsamkeit, um die innere Arbeit des Geistes und darum, wie es sich anfühlt, sein eigenes menschliches Dasein zu spüren. Sie haben auch existenzielle Assoziationen, gerade weil es sich um eine so alltägliche Geste handelt. Ich wollte sie destillieren und sehen, was dabei herauskommt, wenn man sich vollkommen auf etwas ganz Alltägliches konzentriert.

Deine Arbeit umfasst Malerei, Nähen, Druckgrafik und Stoff. Wie entsteht ein Werk von Anfang bis Ende?
Meistens beginne ich mit einem Teil des Körpers, oft dem Gesicht. Dieser Teil wird zum Anker für die Figur. Da ich mit Collagen arbeite, handelt es sich um ein physisches Objekt: ein Stück Stoff, einen Aufnäher, den ich mit einer Nähmaschine hergestellt habe. Von diesem Punkt aus beginne ich, den Rest der Form aufzubauen. Während die Figur Gestalt annimmt, entsteht in der Regel auch die Geschichte, die sie umgibt. Wenn ihr Körper fertig ist, beginne ich mir vorzustellen, wer sie ist, was sie erlebt und wo sie sich befindet, basierend auf ihrer Geste, ihrer Form und ihrer Pose. Manchmal existiert sie in grenzwertigen Umgebungen – nicht in einem realen Raum, mehr in einem mentalen oder emotionalen Zustand. Die Arbeit entwickelt sich gleichzeitig und parallel zu dieser sich abzeichnenden Erzählung. Sobald die Figur fertig ist, überlege ich mir, wie sie auf der Bildfläche existieren soll. Dann werden alle Elemente auf eine größere Leinwand genäht und befestigt, die zum endgültigen Untergrund für das Gemälde wird. Sobald die Leinwand gespannt ist, fange ich mit dem Malen an, was die zweite Phase der Gestaltung der Welt um die Figur herum darstellt. 

Textilien tragen Geschichten von Fürsorge, Arbeit und Weiblichkeit in sich, und ich weiß, dass deine Verbindung zu ihnen persönlich ist und ihre Wurzeln in der Nähkunst deiner Mutter hat. Wie hat das deine Arbeit beeinflusst?
Meine Mutter nähte als Hobby, also einfach nur zum Spaß. Für mich war es eines der ersten Beispiele, das ich von jemandem sah, der sich ein kreatives Ventil verschaffte. Die Nähmaschine ist heute die Grundlage meiner gesamten Arbeit. Sie ist tief mit diesen frühen Erinnerungen an meine Mutter verbunden. Das Nähen war für sie auch eine Möglichkeit, ihre Zuneigung zu zeigen, indem sie Kleider für uns nähte oder Dinge für das Zuhause herstellte. Ich sehe das Nähen auch als eine liebevolle Geste, und in meiner Arbeit kann ich meine Figuren und Motiven diese Form von Zuneigung entgegen bringen.

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Woher kommen die Stoffe, die du in deinen Werken verwendest?
Ich habe mit einem Originalbestand aus dem Haus meiner Familie angefangen und seitdem immer weiter gesammelt. Einige Stücke sind Dinge aus meinem eigenen Leben – wie ein altes Bettlaken mit einem schönen Muster, das zu abgenutzt ist, um es noch zu benutzen, und dann Teil meiner Arbeit wird. Wenn ich auf Reisen bin, kaufe ich Stoffe in Antiquitätenläden oder Stoffgeschäften. Ich kaufe auch ab und zu Stoffe und mache ein- oder zweimal im Jahr eine Art „Stoff-Großeinkauf”. Ich mag es, wenn sie von verschiedenen Orten stammen, weil ich so eine vielfältige Palette habe, mit der ich arbeiten kann.

2026 hast du mit der Einzelausstellung Fresh Paint im Parrish Art Museum in New York angefangen. Was kommt als Nächstes?
Im Frühjahr bin ich zusammen mit Sandra Mujinga und Aria Dean in einer Gruppenausstellung in der Galerie Eva Presenhuber in Zürich vertreten, worauf ich mich sehr freue. Wir alle beschäftigen uns auf unterschiedliche Weise mit Figuration und kommen aus der Schwarzen Diaspora, sodass wir jeweils eine ganz eigene Beziehung zu den Narrativen haben, die sich um das Schwarzsein ranken. Später im Jahr werde ich zwei kommerzielle Galerieausstellungen mit zwei meiner anderen Galerien haben. Außerdem habe ich zwei öffentliche Skulpturenaufträge, die dieses Jahr eröffnet werden. Eine wird an der Fassade des New Museum of Contemporary Art in New York zu sehen sein, die andere am Trafalgar Square in London. Einige meiner Skulpturen sind von den Gemälden inspiriert. Wenn ich sie entwerfe und konzipiere, versuche ich oft, eine dreidimensionale Version einer Figur oder eines Charakters aus einem meiner Gemälde zu schaffen. Dieser Prozess ist an sich schon eine Herausforderung, was ich an der Bildhauerei sehr schätze. 

Du hast dich nur einmal mit Performance als Medium beschäftigt, und zwar mit The Sounding Board bei der Performa Biennale 2021 – einem Stück, das du selbst geschrieben, inszeniert und gestaltet hast und in dem du deine malerische Sprache in ein live aufgeführtes, experimentelles Werk übersetzt hast. Wie hat diese Erfahrung deine Praxis erweitert, und siehst du Performance weiterhin als Teil deiner Arbeit?
Das Spannendste daran war die Möglichkeit, mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten, denn Malen ist eine eher einsame Angelegenheit. Ich habe es sehr genossen, die kreativen Fähigkeiten und die Energie der Schauspieler:innen in eine meiner Ideen zu integrieren. Ich habe das Gefühl, dass ich weiterhin mit Performance arbeiten werde, aber ich stelle mir das in Zukunft eher als Film oder experimentelles Video vor. Ähnlich wie meine allgemeine Vorliebe, eher eine Beobachterin zu sein, reizt mich die Rolle der Regisseurin und die Suche nach Musen, die meine Ideen für diese performancebasierten Projekte vollständig umsetzen können. Das ist etwas, woran ich dieses Jahr auch arbeiten will.

Deine erste Einzelausstellung war 2015. Wenn du auf die letzten zehn Jahre zurückblickst, wie hast du dich in dieser Zeit verändert – sowohl persönlich als auch in Bezug auf die Entwicklung deiner Arbeit?
Ich habe mich in den letzten zehn Jahren persönlich sehr verändert. Einfach gesagt, ich bin erwachsen geworden. Es gibt Verluste, es gibt neue Menschen, die zu einem zentralen Bestandteil deines Lebens werden. Man verliert viel, man gewinnt viel, aber all das ist eine Bereicherung – wenn man es ernst nimmt und ohne Vorurteile betrachtet. Alle meine persönlichen Erfahrungen, meine Entwicklung und mein Wachstum haben meine Arbeit geprägt. Einige Werke liebe ich sehr und bin stolz darauf. Andere sind schwieriger – man mag sie nicht unbedingt –, aber man kann trotzdem ihren Wert verstehen – warum man sie machen muss, um zum nächsten Werk überzugehen. Wenn ich mir meine Arbeiten aus verschiedenen Jahren anschaue, erinnere ich mich vor allem daran, was in meinem Leben zu der Zeit geschah, als ich sie geschaffen habe. Meine Bilder sind für mich wie ein Tagebuch.

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Text: Anton Isiukov
Fotos: Christian DeFonte

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