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Andreas Duscha »For my mother«

Editionen
Helle, verblasste Buchseite mit ironischem Zitat über Mutter und Vater; Jungen, die spielen, wenn Eltern abwesend sind.

Spiegelglas, geätzt mit Silbernitrat, Metallschiene als Wandbefestigung
47,5 x 32 cm (18.7 x 12.6 Zoll)
Edition von 12 Unikaten

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For my mother, 2017

In seiner Werkserie For my mother (2017) beschäftigt sich Andreas Duscha mit einem Phänomen, das in der Literatur selten Beachtung findet: der Autorenwidmung. Das Wort Dedikation lässt sich von "dedicatio" im Lateinischen ableiten, das soviel heißt wie Weihe, Hingabe, oder auch Zueignung. Eine Widmung kann eine einfache Danksagung des Autors bezeugen. Sie kann auch Ausdruck besonderer Zuneigung sein, die der Autor gegenüber einer besonderen Person hegt. Genauso gut kann sie Bezug nehmen auf eine Sache oder ein Ereignis von besonderer Bedeutung.

Die Edition beinhaltet zwölf Stücke aus Spiegelglas, das der Künstler selbst nach einer Methode aus dem 19. Jahrhundert herstellt. Jeder Spiegel trägt eine andere Autorenwidmung eingeätzt in seine Oberfläche, die jeweils einem Werks der Weltliteratur entliehen wurde. Die isolierte Betrachtung der einzelnen Widmungen, die der Künstler übrigens vorrangig aufgrund ihrer poetischen Qualität wählte, erhält diese einen neuen Stellenwert und eröffnet einen neuen Raum für Interpretation und Projektion, losgelöst vom Kontext des jeweiligen literarischen Werks. Es entsteht eine Nebenhandlung, ein weiterer narrativer Raum.

An einer grauen Wand befestigte, vertikale silberne Metallplatte; obere linke Ecke leicht beschädigt.

Edition 1/12 - »Dedicated to bad writing«, aus Charles Bukowskis' Pulp

Metallplatte mit Widmung an graue Wand; Text: To my wife Ann without whose silence, this book would never have been written.

Edition 2/12 - »To my wife Ann without whose silence, this book would never have been written«, aus Philip K. Dicks The man in the high castle

Metalltafel an grauer Wand, rechteckige Platte mit schwach lesbarem Zitattext.

Edition 3/12 – »If there is an amateur reader still left in the world - or anybody who just reads and runs - I ask him or her, with untellable affection and gratitude, to split the dedication of this book four ways with my wife and children«, aus J.D Sailingers Raise High the Roof Beam, Carpenters and Seymour: An Introduction

Rechteckige Metallplatte mit abgenutztem Rand an grauer Wand; helle Fläche, unten links unscharfer Text.

Edition 4/12 – »To Vik Lovell, who told me, dragons did not exist and then led me their lairs«, aus Ken Keseys One flew over the Cuckoos Nest

Metallplakette an grauer Wand mit Widmungstext: To Geneva Hilliker Ellroy, 1915–1958.

Edition 5/12 – »To Geneva Hilliker Ellroy 1915-1958 Mother: Twenty-Nine Years later, This Valediction in Blood«, aus James Elroys Black Dahlia

An grauer Wand befestigte, reflektierende Metalltafel; unten kaum lesbare Inschrift.

Edition 6/12 – »To the 12 jurors, three women and nine men, who returned a verdict of „Not Guilty“«, aus D.H Lawrences Lady Chatterly

Metallplatte an grauer Wand; Widmungstext: To CAROL who willed this book, To TOM who lived it

Edition 7/12 – »To CAROL who willed this Book, To TOM who lived it«, aus John Steinbecks The Grapes of Wrath

Metallplatte in Rechteckform an grauer Wand befestigt; abgenutzt, dunkle Ecken, reflektierende Oberfläche.

Edition 8/12 – »For my mother and father… Ironic in a book devoted to boys who play when their parents are away!«, aus William Goldings Lord of the Flies

Metalltafel an grauer Wand, mit verblasstem Text: 'Dedicated to America whatever that is'.

Edition 9/12 – »Dedicated to America, whatever that is«, aus Jack Kerouacs Visions of Cody

Metallplatte an grauer Wand mit der Inschrift "For Ezra Pound: il miglior fabbro".

Edition 10/12 – »For Ezra Pound: il miglior fabbro«, aus T. S. Eliots The Waste Land

Montierte metallene Gedenktafel an grauer Wand; Text darauf kaum lesbar.

Edition 11/12 – »Den Müttern jedes Landes, jeden Volkes, jeder Rasse, jeder Farbe, jeden Glaubens, jeden Tieres, jeder Kreatur, die lebt«, aus B. Travens Die Brücke im Dschungel

About Andreas Duscha

Andreas Duscha macht sich die Faktizität der Behauptung zu eigen, wobei er vielfach von gefundenem digitalen Bildmaterial ausgehend, das oft in Zusammenhang mit spezifischen Orten, historischen Begebenheiten und politischen Phänomenen steht. Er baut seine Arbeiten auf dem Potenzial der Möglichkeit und der Imagination auf, filtert Episoden von Geschehnissen, die sich so ereignet haben können; er versucht nicht nachzuweisen, zu bewerten oder zu bezeugen; er dechiffriert, modifiziert, kodiert und inszeniert nach seinen eigenen Parametern, induziert Subjektivität und Singularität in das scheinbar Bekannte, Offensichtliche, Banale.

In einem zugleich verfremdenden und subjektivierenden Prozess verdichtet er Tatsache und Fiktionalität zu neuen Bedeutungsebenen, die er in unterschiedlichen, oft anachronistischen fotografischen Techniken oder analogen Druckverfahren zu vielschichtig verschlüsselten Arbeiten ästhetisch subtiler und zugleich poetisch abstrahierender Bildsprache transformiert.

Lesen Sie unser Ateliergespräch mit Andreas Duscha.

Mann in weißem T‑Shirt und Baseballcap sitzt am Tisch in Garage/Werkstatt, redet und gestikuliert; Leiter und Schränke im Hintergrund.

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